
Der Baranski meets Tobias Erler
Heute geht es hier ausnahmsweise mal um ein Ausnahmetalent. Aus dem Augenwinkel kenne ich den Sportsfreund schon ziemlich lange, zum ersten Mal gesprochen haben wir aber erst letztes Jahr nach dem „King of the Lake“ Zeitfahren am Attersee. Lange und intensiv und am Bierstand. Und auch wenn ich mich am nächsten Tag nicht mehr an […]

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Ich fand mich irgendwann schon ziemlich gut, als ich da immer so bei 4 Stunden 30 ins Ziel kam. Das ist glatt ein vierziger Schnitt. Bei mir hat das aber locker so acht Teilnahmen gebraucht. Bei einer Austragung hatte ich mal den gesamt schnellsten Schwimmer aller Teilnehmer (Moin Kunzi!) und war deshalb recht früh auf die Strecke gegangen. Am Kalvarienberg, das ist da die längste und steilste Steigung, flog plötzlich einer an mir vorbei, von dem ich dachte der hat nicht alle Tassen im Schrank. Im Wiegetritt, grob so meine Größe und eindeutig gerade voll am Überzocken. Eindeutig ein Hornochse. Viel Spaß beim Verrecken noch!
Wie das geht? Also laut seinem Staffel-Teamchef Lifty hat der Erler am Vorabend drei Weißbier getrunken, je 60 Kilometer eins. Und von den zwei Trinkflaschen am Rad war nachher noch eine voll. Nach vier Stunden Ballern. Sowas geht eigentlich gar nicht und/oder natürlich nicht ohne eine entsprechende radsportliche Vorgeschichte und sowas wie eine jahrelange Grundlagenausbildung, die so aber auch nur bei ganz wenigen funktionieren wird. Herr Erler ist nämlich vorher auf Profi-Niveau Radrennen gefahren. Zwar nie auf ganz hohem Niveau und auch „nur“ als Mischung von Studium und Radsport, aber doch auf der ganzen Welt. Nach der U23-Bundesliga ging es unter anderem zur „Tour de Taiwan“, der „Tour of Malaysia“ und er fuhr in Iran für ein Team von dort Rennen. Allein die ganzen Stationen und Stories dazu würden aber den Rahmen hier sprengen.
Nun ist es immer so eine Sache, Leuten so etwas abzunehmen. Ich habe mir vorher aber schon groß und breit angehört, wie sehr ihn das genervt und auch getroffen hat, als damals beim ersten Ritt unter vier Stunden ein anderer Radprofi (der danach auch nie wieder in Roth auftauchte) an seinem Hinterrad gelutscht hat und mit einer ähnlich schnellen Zeit ins Ziel kam. Und dann alle dachten (ich übrigens auch!), die hätten gemeinsame Sache gemacht, was naheliegend war bei der Leistung. So recht seinen Frieden damit hat Tobi dann aber die Jahre danach gefunden, als er das noch ein paar Mal alleine hin gezimmert hat.
Mein Eindruck: hier hat einer den wahren Wert und die Bedeutung von Sport verinnerlicht. Außerdem hat er für sich, seinen Vater und seine Peers meinen halben Shop mit „doper stinken. alle. immer!“ Klamotten leergekauft.
Was ihm dabei hilft, sauber weiterzumachen und nicht aufzustecken? Erstens, dass man realisiert, was einem der Radsport gibt und was ohne den fehlen würde. Und dann, dass man das Rad-Profitum nicht als seligmachendes Endziel ansieht, sondern eine Phase, nach der man noch ein ziemlich langes Leben vor sich hat. Schönen Gruß an dieser Stelle mal an alle Eltern, die es als oberstes Ziel für den Nachwuchs sehen, auf Teufel komm raus Radprofi zu werden!
Erler ist mittlerweile nämlich Lehrer für Mathe – und, wen wundert es, Sport. Die Kombination Radsport und Studium war dazu ja jahrelang die passende Kombi für ihn, inklusive der Querfinanzierung des Studiums per Rennen fahren.
Soviel ich weiß, sucht er übrigens für den ein oder anderen „sporadischen“ Zeitfahreinsatz – und ich fürchte auch für die Challenge in Roth – noch ein Rad mit Aero-Lenker dran. Was ganz Rudimentäres reicht da sicher. In der Zwischenzeit wandert Tobi vermutlich mit Schneeschuhen von Tittmoning nach Petting oder Fucking und jagt Gämse. Oder er hackt zumindest oben ohne das Brennholz. Für den Winter reicht das für den ja eh, um in Form zu bleiben.
- Unbequem aber war: es gibt immer wen, der besser ist als man selbst. Und danach kommen dann immer mal solche Überflieger wie der Erler on top.
- Man muss nicht immer leben wie ein Mönch, um ordentlich was rauszuhauen im Sport.
- Immer schon meine Rede: es kommt nicht drauf an, möglichst früh mit einer Sportart anzufangen um so richtig gut in was zu werden. Spezialisieren kann man sich später immer noch.
- Ähnliche Kerbe und von mir auch schon oft reingehauen: zu viel Training in Kombination mit zu wenig Ruhe macht euch nicht schneller sondern schlapp. Und ihr seid alle keine Profis.
- Nicht alle in einem dopingversifften Team sind zwangsläufig die gleichen Arschgeigen.
- Wenn Tobi am 5. Juli am Start an der Lände ist: alle anderen Staffel-Radfahrer werden maximal Zweiter, egal wie wenig er angeblich vorher trainiert hat. In diesem Sinne, wir sehen uns Herr Erler!
Die Bilder stammen größtenteils aus dem Fotoalbum der Erlers, danke dafür.






