
Zum Schrauben mal schnell nach Malle
Kürzlich gab es einen spontanen Trip nach Mallorca zum Trainieren und Arbeiten. Dienstag bin ich in der Mittagspause fast erfroren und man musste mich vom Rad heben, Freitag war ich dann am Ballermann. Außerdem trifft man da spontan immer zig Kunden, Promis, Profis sowie Industrie- und Szene-Gamechanger. Man muss bloß morgens losfahren und entsprechend knallig […]

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Ich war ja aber zum Radfahren da und das geht traditionell immer so: Einen Tag den Puig von rechts hoch, am nächsten dann von links, dann über Andratx in die Berge und dann nochmal schön so richtig nass werden auf der verlängerten Leuchtturmrunde Richtung Nordnordost. Also alles wie geplant, inklusive der Apfelblüte oder sowas.
Tag eins habe ich nämlich total in den mallorquinischen Sand gesetzt und vergeigt, weil das Rad was hatte, das mich komplett am Fahren hinderte. Vorab: Ich fliege immer mit eigenem Bock. Beim Gedanken an Mieträder bekomme ich Gänsehaut. Dazu habe ich zwei Hartschalenkoffer, die mich seit Mitte der 1990er gut begleiten. Kurzer aber nötiger Exkurs: Von allem Richtung Softtasche kann ich eher abraten und vom Modell Scicon Aerocomfort muss ich zu 110 Prozent warnen, da ist ein Schaden bis hin zu Lenker- und Rahmenbruch vorprogrammiert. Die Tasche hatte ich zweimal im Einsatz, beide Male noch mit reparablen Schäden, danach wanderte er weiter an zwei junge Männer, die nicht hören wollten und dann den Salat hatten. O-Ton der Liaison von Cervélo vor ein paar Jahren: Profis, die damit fliegen und dann schnell Ersatz brauchen, bekommen nichts mehr, weil das Ding so schlecht ist. Ich vermute, der Hersteller wird sagen, das Problem sei ihm so nicht bekannt. Klassiker.
Also: Die Hülle ist bei meinem Koffer eine Eins und damit auch drinnen nichts verbiegt oder sonst wie Schaden nimmt, nehme ich das Schaltauge immer raus. Bei meinem aktuellen Renner von Scott, dem Addict RC sind das zwei kleine Schrauben plus Steckachse und gut ist. Das wird dann samt Schaltwerk (schonmal Obacht, es geht um die neue Di2!) gut eingewickelt und alles ist safe.
Nach der Siesta ging es also Freitagnachmittag auf die Pirsch und fündig wurde ich dann bei Sport Bequi oberhalb von Arenal. Da wurde kurzer Prozess gemacht und alles ausgebaut und neu verlegt. Nervös wurden erst die beiden Schrauber und dann auch ganz schnell ich, als es hieß, die Tretlagerachse gehe nicht wieder rein, weil die beiden Lagerschalen schief eingepresst wurden. Ich hatte die Schalen an dem Rad schon mehrfach raus (ganz andere lange Story mit vielen Powermeter- und Innenlagermarken, die alle nicht hielten und auf der Strecke blieben) und wusste, woran das lag: Die hydraulische Bremsleitung läuft im Innenlagerbereich samt Überzieher unter der Kartusche durch und drückt die Führungshülse von unten immer hoch. Also nochmal raus und plan wieder rein. Hinterm Werkstatttresen und mit dicken Adern am Hals der Kunde, der immer alles besser weiß: Ich.
Soviel also zum Thema modernes Superbike auf Reisen. Der nächste Trip findet jetzt mit dem Gravel-Bike mit mechanischer Schaltung statt und geht nach Gran Canaria. Da reicht ein Kettenblatt und dickere Reifen sind Trumpf. Ach ja, damit passt das ganze Rad nicht mehr in den state-of-the-art-Koffer mit Laufradaufnahmen von Bike Box Alan, weil der auf Schnellspann- statt Steckachsnaben und maximal 28 Millimeter Reifen ausgelegt war. Der Plan sind aber mindestens 32er Schlappen und die gehen dann nur in das Iron Case von 1996, mit dem ich damals meine Weltreise beendet habe. Samt GT LTS MTB. In 26 Zoll. Mit Shimano V-Brakes.



