
der baranski meets dr. westmattelmann
Passend zur Off-Season gibt es heute mal wieder eine Folge von „Der Baranski meets“. Und weil bei vielen von euch jetzt über den Winter auch wieder die Tüftelphase anläuft, geht es dabei heute um einen ehemaligen Fahrer, der erst dadurch sein volles Potenzial aufs Pedal gebracht hat: Daniel Westmattelmann aus dem schönen Westfalen. So richtig […]

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Weil der Ausrichter das schon ganz richtig so eingeschätzt hatte, startete Daniel als Letzter – weil er wohl die schnellste Zeit hinlegen würde. Und konsequent sammelte er mich dann auch zügig ein und ließ mich doof stehen. Mit einem knappen 50er Schnitt. Am Ende trennten uns über 90 Sekunden auf 22 Kilometer und zwischen uns hatte sich noch der junge Lars Bartlau geschoben, der mir die Jahre auch gerne und kräftig um die Ohren fuhr.
Bevor das bei Daniel soweit war, musste der aber ordentlich an sich und vor allem seinem Rad rumschrauben. Wie so oft war nämlich die liebe Aerodynamik der limitierende Faktor auf den großen Motor, den er mit sich rumschleppte. Für alle E-Riders: hierbei geht es um den eingebauten beziehungsweise antrainierten und um nichts von Bosch mit Batterie. Es nützt nämlich alles nichts, auf dem Rad Kräfte wie ein Bär entfalten zu können, wenn man auch wie einer auf dem Rad sitzt. Und da setzte Daniel dann an, nachdem er gemerkt hatte, dass es beim Zeitfahren trotz körperlicher Topform nicht über das Mittelmaß hinaus ging, etwa 2011 als 17. bei der DM. Der Fokus lag dann erstmal intensiv auf dem Thema Aero-Test, unter anderem auf der Bahn in Büttgen und inspiriert durch Lars Teutenberg, sowas wie dem „Altmeister“ dafür im deutschsprachigen Raum. Lars war jahrelang die Benchmark im Gutsitzen und Daniel hat das dann mit seinen Buddies Sven Faber und Max Walscheid für sich perfektioniert.
Unterstützt wurde er dabei von seinem Team, das mal was mit Kuota hieß und zum Ende dann Team Lotto-Kern Haus. Dabei heraus kamen dann sensationelle 80 Watt Verbesserung. Allerdings gemessen bei 50 km/h Reisegeschwindigkeit, die man auch auf der Bahn erstmal liefern muss. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass auch ein Tag bei 45er Schnitt ziemlich zwiebeln und schnell vorbei sein kann – je nach Form.
Als Konsequenz ging es dann an der Uni mit Vollgas weiter und als Ergebnis steht bisher der Doktortitel und eine Stelle als akademischer Rat am Lehrstuhl für BWL an der Uni Münster. Interessant in diesem Zusammenhang: Daniels Promotion zum Thema Doping, und zwar explizit nicht nur im Radsport, sondern sportartübergreifend, unter anderem inklusive der Leichtathletik. Hier hat er nämlich auf ein Modell gesetzt, das anhand von Variablen ermittelt, welchen Einfluss Anti-Doping Maßnahmen und Preisgeldverteilungen auf das Dopingverhalten haben. Hierzu wurde eine Population von 100 fiktiven Athleten mit Datenmaterial aus diversen Erhebungen gefüttert. Seine Ergebnisse decken sich mit der sonst auch immer mal kommunizierten Dunkelzifffer von rund 25% von WADA, NADA, usw.. Und siehe da, abschreckend sind in erster Linie häufigere Kontrollen, verbunden mit Langzeit-Proben. „Wenn ich mehr kontrolliere, dann dopen weniger“, so Westmattelmanns Folgerung. Auch wenig erstaunlich: je mehr Geld zu verdienen ist, umso wahrscheinlicher ist der Griff in den Giftschrank. Wer da mehr zu lesen möchte: hier gibt es noch einen interessanten Artikel .
Passend dazu bietet er mit ein paar Kollegen etwas an, um das Training auf dem Smarttrainer noch etwas realistischer zu gestalten: das Boom Board, das man einfach unter den Kickr, Neo oder wen auch immer packt, um dann ein realistischeres Fahrgefühl zu haben. Das Teil soll zudem beim Indoor-Training die radspezifische Tiefenmuskulatur trainieren. Klingt fies und wird demnächst mal ausprobiert! Auch wenn wir uns darin einig sind, dass nichts an das Fahren draußen an der frischen Luft und auf der Straße rankommt.
copyright der Bilder: Familienalbum der Westmattelmänner, vielen Dank dafür!



