
Der Baranski meets Oli Elsenbach
Steif ist immer geil. Oli Elsenbach bei der Messung an der Schuhsohle. Der Kandidat, um den es hier heute geht, ist wieder so ein Fall von „warum machen wir nicht schon viel länger was zusammen“. Oft genug über den Weg gelaufen müssen wir uns nämlich schon früher sein, ähnliche Interessen hatten wir auch (immer was […]

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Es ist immer wieder ernüchternd zu sehen, dass jemand, der nur die Hälfte von mir ist, das Doppelte an Watt hinlegen kann auf dem Cyclus 2 Ergometer. Das nutzt Oli nämlich für alles an Messungen, Feintuning sowie zur Leistungsdiagnostik. Mehr aber auch nicht. Hier sucht mal Druckmessmatten, 3-D-Kameras und ähnlichen Hightech-Kram vergebens. Er sagt, er habe das zwar alles noch irgendwo, brauche es aber nicht. Und damit ist er nicht der einzige gute Fitter, wie ich über die Jahre gesehen habe.
Wie das sein kann? Oli hat an der Sporthochschule in Köln auf Diplomsportwissenschaftler studiert und dann ab Anfang der 2000er in der Schuhorthopädie gearbeitet. Schon da immer mit Fokus auf Radsport – und Fuß. Statt über Druckmessung und Winkelbestimmung geht er das Thema eher aus der professionellen Ecke an und da geht es eben immer um Drehmoment, Watt und Kadenz, weil damit Rennen gewonnen werden. Er hält nichts von Winkelbestimmung, da es hier immer um einen Mittelwert gehe, der aber nicht das ist, was man brauche.
Kleiner Einschub an dieser Stelle: Oli ist ein Freund klarer Worte und damit teilen wir ein Schicksal und ecken gern mal an. Statt alles immer voll mega und nice zu finden, sagt er halt auch klipp und klar, wenn er was für Blödsinn hält und was man nicht braucht. Laut ihm ist in der Bikefitting-Industrie vieles an technischen Hilfsmitteln Schrott, da werde mit gefährlichem Halbwissen und einem extrem progressiven Veränderungswillen gearbeitet.
Und das kann ich ein ganzes Stück weit bestätigen. Letztlich ist vieles an Messtechnik hier so teuer und kompliziert, dass sich das erstmal wieder amortisieren muss, der Wust an Daten erstmal vernünftig interpretiert werden müsste, um überhaupt was zu bringen. Also neben Watt noch die Analyse der Tretkurve, der untere und obere Totpunkt und Auslenkung des Sprunggelenkes, wie tief Brust- und Kreuzbein beim Ballern unten bleiben, wie dicht Kopf und Torso am Oberrohr sind, wie mittig der Fuß über der Pedalmitte und ob die Kraftverteilung links/rechts auch immer schön bei 50/50 liegt, egal bei welcher Leistung.
Das kann man nämlich alles messen, das richtige Messequipment vorausgesetzt. Das ist ein offenbar lukrativer Markt und wenn man will, kann man sich als angehender Sitzpositionsexperte für mehrere 10.000 Euro mit solchen Gadgets eindecken. Aber macht das Sinn? Neben dem ganz konkreten Beispiel, dass es sich auf einer Druckmessmatte halt anders und höher sitzt, als auf der Satteloberfläche samt Kombination aus Rad-Hose und deren konkretem Material.
Ich habe schon diverse Bikefittings hinter mir und im Nachhinein muss ich sagen, dass es zuallererst immer auf den Fitter oder die Fitterin und seine/ihre Expertise ankommt, wie gut die Session dann ist und was sie mir gebracht hat. Danach kommt dann erstmal ganz lange nichts. Irgendwann kommen dann von mir aus noch solche Werte wie Knie- und Hüftwinkel, Druck am Sattel, Arm-Pad oder an den Schuhsohlen. Das sind halt auch immer tolle Dinge, die man dann mit nachhause nehmen kann, schließlich kostet ein gutes Fitting auch immer richig Asche. Aber fasst man das nachher nochmal an oder ändert dadurch was? Also ich maximal so mittel, anders als konkrete Tipps zu Dehn- und Rumpfstabi & Co., oder sowas wie „halte das Kinn in der Aeroposition mal nach vorne rotiert, damit der Helm hingen gut anliegt“.
Gutes Beispiel sind auch die Einlagen in Radschuhen. Was gibt es da nicht alles an Konzepten, von beigelegten Billosohlen der Schuhfirmen, dann Anbieter von der Stange mit drei oder mehr Varianten je nach Fußform und -gewölbe und dann vermeintlichen Custom-Lösungen, nur auf meine zwei Füße angepasst. Letztlich kann man das eine oder andere Konzept glauben (und kaufen). Oder mal hinterfragen, ob die sonst sehr sinnvolle Anpassung an den Fuß im Radschuh wirklich sinnvoll ist, oder ob der Fuß in der fixierten Position nicht immer mit einer „Einstellung“ bestens bedient ist und am meisten Bumms aufs Pedal bringt und mir dabei hilft, von oben lotrecht gerade runter zu treten ohne viel Ausgleich- oder Schlackerbewegung irgendwo dazwischen. Und ohne viel „Bauschaum“ als Unterbau zwischen Fuß und vermutlich Carbonsohle.
Das ist nämlich genau Olis Ansatz mit den Solestar-Einlagen, von denen es zwar verschiedene Modelle gibt, die aber immer die gleiche Form haben und alle Füße gleich fixieren, dafür aber mit extrem dünnen und im teuren Bereich auch mit Carbon für eine steife Sohle. Sonst macht die steifste Schuhsohle auch keinen Sinn, wenn danach dann erstmal eine weiche Schaumlage Einlage kommt.
Und genau diese Einlagen fahre ich seit ein paar Jahren auch in allen Radschuhen. Vorher habe ich mit meinen Quadratlatschen alles an Custom-Lösungen und verschiedenen Philosophien an Einlagenversorgung durchprobiert, manchmal wurde sogar eine Beinlängendifferenz von zehn Millimetern diagnostiziert und per Shim ausgeglichen, die gar nicht da, sondern nur eine verdrehte Hüfte war. Letztlich ist aber hier aus meiner Erfahrung genau das Prinzip von Solestar stimmig: Eine Haltung im Radschuh für alle. Wer das auch probieren will, ich biete bei mir im derbaranski.shop das Topmodell BLK2 (die neue Variante) an, und zwar mit sechs Wochen Rückgaberecht. Und innerhalb Deutschlands sogar noch versandkostenfrei. Siehe dazu oben die Radprofis, die auch alle Solestar Einlagen von Oli tragen.
Neben der Diagnostik und Solestar ist Oli ein Tausendsassa und auch noch der Mann hinter allem rund um die Schuhe und Einlagen vom neuen Superteam LIDL Trek. Das sind schnell mal 150 Füße aufwärts. Gefühlt – also immer, wenn man ihn sprechen will – ist er mit denen gerade irgendwo in der Sonne. Zudem betreut er in Kombination mit Lars Teutenberg auch noch den ein oder anderen Profi und ambitionierten Age Grouper hinsichtlich Aerodynamik per Doppeltermin bei sich im Labor und im Nachgang dann in Büttgen mit Lars auf der Bahn. Nur in der Kombi wird da aus meiner Sicht ein Schuh (!) draus.
Wer Oli die Tage jetzt beim Karneval in den Kölner Kneipen sucht, kann sich das aber sparen, da läuft er nicht mehr rum. Der geht lieber trainieren. Gerüchten zufolge und weil er meine Tipps für kalt und nass neulich so toll fand und verinnerlicht hat, nur noch in neongelber Weste über dem schicken babyblauen Kit vom RV Komet Delia, seinem Heimatverein. Warum der, und nicht Fortuna Ehrenfeld, wo er doch ganz in der Nähe des berühmten Dönerstrichs dort praktiziert? Nun ja, laut Oli bieten die nur Saalradsport an.
Bilder copyright Ben Knabe, Solestar und Der Baranski



